Die Volkswirtschaft

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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Entwicklungszusammenarbeit: Die Prioritäten der Schweiz»

«Wir haben eine hohe Erfolgsquote»

Die Entwicklungszusammenarbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) will die Rahmenbedingungen in den Partnerländern verbessern. Dies sagt Raymund Furrer, Leiter des Leistungsbereichs Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, gegenüber der «Volkswirtschaft».

Herr Furrer, braucht es die Entwicklungszusammenarbeit überhaupt?

Absolut. Selbst die grössten Kritiker der Entwicklungszusammenarbeit bestreiten nicht, dass viele Projekte Armut und Leid effektiv lindern und die Rahmenbedingungen verbessern. Es gibt Menschen, die haben dank unseren Projekten wieder eine Perspektive. Ich habe das kürzlich in Peru und in Serbien gesehen. Wir müssen den Hebel dort ansetzen, wo wir mit innovativen Projekten und kalkuliertem Risiko etwas in Gang bringen und die Nachhaltigkeit von Verbesserungen sichern können. Ich bin erfreut, dass wir insgesamt eine hohe Erfolgsquote haben.

Sie leiten seit vergangenem Oktober den Leistungsbereich Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Seco. Was macht Ihre Abteilung?

Wir unterstützen unsere Partnerländer dabei, ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzielen. Schauen Sie, um Armut lindern zu können, braucht es in erster Linie gute Jobs. Hier ist vor allem der Privatsektor gefordert. Damit Unternehmen aber Arbeitsplätze schaffen können, sind sie beispielsweise auf eine gute Versorgung mit Wasser und Energie angewiesen. Deshalb versuchen wir die staatlichen Rahmenbedingungen zu stärken – etwa in Indonesien, Ghana oder Kolumbien. Weiter unterstützen wir Projekte, welche klimaschädigende Emissionen reduzieren oder den nachhaltigen Handel mit Naturprodukten fördern. Dann gibt es natürlich noch globale Risiken wie Wirtschafts- und Finanzkrisen: Das Seco arbeitet hier mit Entwicklungsbanken wie der Weltbank zusammen.

Gibt es konkrete Erfolge?

In den letzten Jahren hat das Seco dazu beigetragen, dass Tausende von Stellen geschaffen wurden, etwa über den Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), der in Unternehmen in Entwicklungsländern investiert. Unter anderem dank dieser Unterstützung konnte beispielsweise eine Muschelaufzucht in Südafrika ihre Produktion massiv ausbauen und die Arbeitsplätze auf 500 verdoppeln. Die neuen Stellen kommen nicht zuletzt weniger gut ausgebildeten Menschen in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit zugute.

Wo sehen Sie grosse Herausforderungen bis 2030?

In vielen Ländern wächst die Ungleichheit zwischen den Bevölkerungsschichten. Deshalb müssen wir uns dafür einsetzen, dass Wirtschaftswachstum inklusiv ausfällt, also allen Menschen eine Perspektive bietet. Gleichzeitig wird die Umweltdimension immer wichtiger – die Herausforderungen im Klimabereich haben zugenommen. Im Weiteren werden wir mit der zunehmenden Verstädterung in Entwicklungsländern konfrontiert.

Raymund Furrer

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Der 55-jährige Raymund Furrer leitet seit Oktober 2015 den Leistungsbereich Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Zuvor war er Chef des Business Hubs der Exportförderorganisation Switzerland Global Enterprise (S-GE) in Dubai. In den Jahren 2008 bis 2012 arbeitete er als Leiter des Ressorts Multilaterale Finanzierungsinstitutionen im Seco; zuvor war er bei der Weltbank tätig gewesen.

Seco zieht Bilanz

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Resultate der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz zwischen 2012 und 2015 finden sich in der Broschüre «SECO zieht Bilanz» unter www.seco-cooperation.admin.ch.