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Konjunkturtendenzen Herbst 2015

Nach der deutlichen Frankenaufwertung von Mitte Januar kam das Wirtschaftswachstum der Schweiz im ersten Halbjahr 2015 praktisch zum Stillstand. Das Fehlen rezessiver Tendenzen ist immerhin ein Lichtblick. Sofern die Weltkonjunktur ihren moderaten Wachstumspfad beibehalten kann, geht die Expertengruppe des Bundes von einer leichten Wachstumsbeschleunigung im Jahr 2016 aus. Damit würde die Schweizer Wirtschaft für zwei Jahre eine Wachstumsdynamik deutlich unter Potentialwachstum erfahren.

(Bild: Keystone)

Weltkonjunktur

Die Weltwirtschaft hat in der ersten Jahreshälfte ihre moderate Wachstumsdynamik fortgesetzt. Zwischen den Industrie- und den Schwellenländern zeigt sich aber zunehmend eine Divergenz. Der Euroraum konnte, auch dank der expansiven Geldpolitik und dem schwachen Euro, seinen moderaten Aufschwung fortsetzen. In den USA beschleunigte sich das BIP-Wachstum nach einem verhaltenen Jahresanfang wieder. In einigen grossen Schwellenländern schwächte sich die Dynamik hingegen ab. In China gesellen sich zu einer strukturellen Wachstumsabschwächung vermehrt Befürchtungen eines konjunkturellen Einbruchs. Länder wie Brasilien und Russland leiden erheblich unter den tiefen Rohwarenpreisen und den politischen Unsicherheiten. Indien wächst hingegen weiter dynamisch.

Schweizer Wirtschaft

Die markante Aufwertung des Frankens Mitte Januar zeigt deutliche Auswirkungen auf die Schweizer Konjunktur. In der ersten Jahreshälfte 2015 kam das Wirtschaftswachstum praktisch zum Stillstand. Wachstumsimpulse kamen von der Inlandnachfrage, während die Exporte negativ betroffen waren. Noch deutlicher hat sich die Frankenaufwertung allerdings auf die Preisentwicklung niedergeschlagen. Sowohl die inländischen Konsum- und Produzentenpreise als auch die Import- und Exportpreise sind im Jahresverlauf stark gesunken. Die Expertengruppe des Bundes rechnet für 2015 neu mit einem BIP-Wachstum von 0,9% (Prognose vom Juni 2015: 0,8%) und für 2016 mit einer moderaten Beschleunigung auf 1,5% (Prognose vom Juni 2015: 1,6%). Damit würde die Gesamtwirtschaft zwar nicht schrumpfen, aber für zwei Jahre deutlich unter Potential wachsen. Eine wichtigeVoraussetzung für eine Verbesserung der Wirtschaftslage ist, dass die internationale Konjunktur aufwärtsgerichtet bleibt und insbesondere der Euroraum seine Erholung fortsetzen kann. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Beschäftigung im 2. Quartal weiterhin gestiegen, allerdings ausschliesslich im Dienstleistungssektor. Die Prognose für das Beschäftigungswachstum liegt für 2015 bei 0,9% und für 2016 bei 0,8%. Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit ist seit Frühjahr 2015 wieder langsam angestiegen. Die Expertengruppe erwartet für 2015 unverändert eine Arbeitslosenquote von jahresdurchschnittlich 3,3%, während die Prognose für 2016 infolge der erwarteten schleppenden Wirtschaftserholung auf 3,6% korrigiert wurde (Juni-Prognose: 3,5%). Die Frankenaufwertung von Mitte Januar hat sich stark auf verschiedene Preise ausgewirkt (Produzenten-, Import-, Export- und Konsumentenpreise). Der Abwärtstrend bei den Konsumentenpreisen hat sich bis August fortgesetzt. Die Prognose für die Konsumentenpreisentwicklung liegt bei -1,1% für 2015 und 0,1% für 2016 (Juni-Prognose: -1,0% respektive 0,3%).

Risiken

Die weltwirtschaftlichen Risiken haben sich in jüngster Vergangenheit angesichts der verstärkten Abkühlung in den Schwellenländern eher erhöht. Die Schweizer Konjunktur wäre negativ betroffen, falls grosse Schwellenländer in eine noch ernsthaftere Krise oder die Industrieländer wider Erwarten in einen erneuten Abwärtssog geraten würden. Auch von der vorerst eingedämmten Griechenland-Krise geht weiterhin das latente Risiko einer erneuten Unsicherheit über die Stabilität der Währungsunion aus. Neben der Währungssituation haben in den vergangenen Jahren weitere Entscheidungen die Unsicherheit für die Wirtschaft erhöht, insbesondere bezüglich der Standort- und Investitionsentscheide. Hier sind die unklare künftige Regelung der Zuwanderung sowie die Zukunft der bilateralen Verträge mit der EU zu nennen.

Demgegenüber bestehen auch positive Risiken einer besseren Konjunkturentwicklung als erwartet. Die Entwicklung der ersten Jahreshälfte 2015 weist, obwohl einige Sektoren stark unter Druck geraten sind, auf eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Gesamtwirtschaft hin. Am aktuellen Rand hat sich zudem die Wechselkurssituation leicht entspannt, und einige wichtige Konjunkturindikatoren haben sich stabilisiert.

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