Die Volkswirtschaft

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Ein herausragender Trend im heutigen Arbeitsmarkt sind die seit langem kontinuierlich steigenden Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeitenden. Berufseinsteiger mit einer abgeschlossenen beruflichen Grundbildung verfügen zwar über gute Startvoraussetzungen, sehen sich bei der ersten Stellensuche hingegen zunehmend mit zusätzlichen Anforderungen bezüglich Berufserfahrung oder Weiterbildung konfrontiert, die sie nicht erfüllen können. Während auf der einen Seite das für Berufseinsteiger geeignete Stellenangebot schrumpft, ist auf der anderen Seite das Arbeitslosigkeitsrisiko beim Berufseinstieg langfristig weit stärker angestiegen als unter älteren, bereits bewährten Fachkräften.

Für viele Jugendliche ist der Einstieg in die Arbeitswelt nach Abschluss der Berufsausbildung mit Schwierigkeiten verbunden. Angesichts der enormen Bedeutung der Berufsbildung in der Schweiz spielt dabei der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger – zusammen mit dem Lehrstellenmarkt – bei der Integration der nachrückenden Generationen ins Berufsleben eine entscheidende Rolle. Die Schwierigkeiten beim Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt sind wohl auch der wichtigste Grund, weshalb die Jugendlichen in der Schweiz – wie in anderen Ländern deutlich überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen sind.
Siehe Weber, 2007. Die Schweiz bildet diesbezüglich keine Ausnahme, wenn auch hierzulande das Niveau der Arbeitslosigkeit generell sehr niedrig ist. Gut belegt ist zudem, dass die Arbeitslosigkeit im Alterssegment der Berufseinsteiger im Vergleich zur gesamten Erwerbsbevölkerung stark überdurchschnittlich auf konjunkturelle Schwankungen reagiert. Zu Beginn einer Abschwungphase steigen die Arbeitslosenzahlen jeweils sehr rasch an, um sich dann wieder dem Durchschnitt anzunähern.
Siehe Duttweiler und Weber, 2010. Über die langfristige, konjunkturzyklusübergreifende Entwicklung der Berufseinstiegschancen ist aber wenig bekannt. Die Vermutung, dass Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben aufgrund des wirtschaftlichen Strukturwandels auf zunehmend höhere Hürden treffen, scheint zwar plausibel, ist aber empirisch kaum belegt.
Siehe CS Ecomic Research, 2006.Vor diesem Hintergrund möchten wir erstens aufzeigen, wie sich das Stellenangebot für Absolventen einer beruflichen Grundbildung langfristig verändert hat und zweitens die Frage erörtern, inwieweit die Stellenmarkt-Entwicklung zur wachsenden Kluft zwischen Jugend- und Gesamtarbeitslosigkeit beigetragen hat.
Dieser Beitrag beruht auf der ausführlichen Fassung des Reports zum Berufseinsteiger-Barometer 2010 (Sacchi & Salvisberg, 2011, siehe auch Kasten 2) und liegt in der alleinigen Verantwortung der Autoren.

Schrumpfendes Stellenangebot für Berufseinsteiger

Die Erhebungen des Stellenmarkt-Monitor Schweiz (siehe Kasten 1

Stellenmarkt-Monitor Schweiz

Der Stellenmarkt-Monitor Schweiz des Soziologischen Instituts der Universität Zürich verfolgt das Ziel, die wissenschaftlichen Kenntnisse über den Stellenmarkt systematisch zu erweitern und zu einer verbesserten Arbeitsmarkttransparenz beizutragen. Er informiert eine breite Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen auf dem Stellenmarkt. Datenbasis für die hier gezeigten Analysen sind jährliche Zufallsstichproben von Stellenangeboten aus Presse, Internet-Stellenportalen sowie Unternehmenswebseiten. Die Stellenangebote werden alljährlich während einer Stichwoche im März im Volltext erfasst und für statistische Analysen aufbereitet. Die Erhebungsreihe erfasst im heutigen, seit 2006 bestehenden Ausbaustand sämtliche quantitativ ins Gewicht fallenden Ausschreibungskanäle im Internet (Unternehmenswebseiten, Stellenportale) und dem Printbereich (Zeitungen und Anzeiger) aus der ganzen Schweiz. Ursprünglich ist die Datenbasis aus einer bis 1950 zurückreichenden Retrospektiv-Erhebung von Stellenanzeigen der Presse des deutschsprachigen Landesteils hervorgegangen, die dann in eine kontinuierliche Stellenmarkt-Beobachtung überführt und stark ausgebaut worden ist. Detailliertere Informationen finden sich unter http://www.stellenmarktmonitor.uzh.ch

) umfassen jährliche Zufallsstichproben von Stellenangeboten in der Presse (seit 1950) und dem Internet (seit 2001). Sie erlauben damit eine Analyse der sich wandelnden Qualifikationsanforderungen auf dem Stellenmarkt. Im Folgenden stützen wir uns dabei auschliesslich auf Stellenangebote, die sich an Absolventen einer beruflichen Grundbildung wenden (Fachkräftestellen). Die Stellenangebote für Berufseinsteiger umfassen dabei nur jene Stellen für Fachkräfte, die für Stellensuchende unmittelbar nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung in Frage kommen. Dazu gehören nach unserer Definition Stellenangebote, die weder Erfahrung noch Weiterbildung voraussetzen, die keine Leitungsfunktion beinhalten und die Einsteiger auch nicht aufgrund ihres jugendlichen Alters ausschliessen. Diese in den Stellenausschreibungen aufgeführten Anforderungen geben Auskunft über die Präferenzen der personalsuchenden Unternehmen. Hingegen sagen sie nichts darüber aus, ob und auf welchem Weg die inserierten Stellen schliesslich wie gewünscht besetzt werden können. Allerdings liegt es im ureigensten Interesse der Unternehmen, Stellenausschreibungen so abzufassen, dass sie gezielt nur jenen Adressatenkreis ansprechen, der für eine gegebene Stelle effektiv in Frage kommt. Aus diesem Grund werden Berufseinsteiger bei der Besetzung von Stellen, die eine oder mehrere der genannten Anforderungen stellen, kaum zum Zug kommen.Betrachten wir zunächst die rote Linie in Grafik 1, die auf der umfassenden Stellenerhebung in Presse und Internet beruht. Die Linie zeigt, dass sich der Anteil Einsteigerstellen für Fachkräfte in den letzten zehn Jahren beinahe halbiert hat und heute nur noch rund 20% aller Fachkräftestellen so ausgeschrieben werden, dass sich Berufseinsteiger gute Bewerbungschancen ausrechnen dürfen. Dabei erfolgte der Rückgang vor allem in den konjunkturell schwachen Jahren zwischen 2003 und 2006.
Phasen überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit sind in Grafik 1 dunkel unterlegt. Seither hat sich der Anteil Einsteigerstellen auf tieferem Niveau stabilisiert, ohne dass bislang Anzeichen einer Erholung zu erkennen wären.Der deutliche Einbruch in den Krisenjahren entspricht dabei einem langfristig zu beobachtenden Muster. Die blaue Linie in Grafik 1 (beruhend auf den in der Presse der Deutschschweiz ausgeschriebenen Stellen)
Der wachsende Abstand der beiden Linien in Grafik 1 ist eine Folge davon, dass der von Jahr zu Jahr steigenden Bedeutung der Internetkanäle die Personalsuche für anspruchsvollere Fachkräftestellen überdurchschnittlich stark ins Internet verlagert wurde. zeigt, wie das Stellenangebot für Berufseinsteiger in Krisenzeiten (in der Grafik dunkler unterlegt) jeweils anteilsmässig deutlich schrumpft, ohne sich in der folgenden Hochkonjunktur wieder zu erholen. Stattdessen kommt es dann lediglich zu einer Stabilisierung auf einem merklich tieferen Niveau. Entsprechend beobachten wir über die gesamten letzten 40 Jahre einen stufenweisen Rückgang im Anteil der für Berufseinsteiger geeigneten Fachkräftestellen. Gemessen an dieser langfristigen Regularität hat sich der Einsteigerstellenmarkt seit dem jüngsten Konjunkturrückgang von 2009 überraschend gut gehalten. Anders als bei früheren Wirtschaftseinbrüchen sind bis anhin keine Anzeichen für einen weiteren Rückgang auszumachen.

Steigende Anforderungen im Stellenmarkt

Der rückläufige Anteil an Einsteigerstellen wirft Fragen nach der Art der Hindernisse auf, mit denen sich die Berufseinsteiger im Arbeitsmarkt zunehmend konfrontiert sehen. Dazu betrachten wir die Entwicklung der einzelnen Stellenanforderungen näher, die einer Bewerbung von Berufseinsteigern entgegenstehen.Wie aus Grafik 2 hervorgeht, verlangen heute etwa sieben von zehn Stellenangeboten für Fachkräfte – neben der abgeschlossenen beruflichen Grundbildung – ebenfalls Berufserfahrung. Fehlende Erfahrung wird damit zum wichtigsten Hindernis für Berufseinsteiger; und in den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Fachkräftestellen, die Erfahrung voraussetzen, von 55% auf 70% gestiegen. Doch auch Weiterbildungen sind wichtiger geworden und werden heute bereits bei rund einem Drittel aller Fachkräftestellen verlangt, verglichen mit knapp einem Fünftel zu Beginn der Messreihe. Der Anteil der Fachkräftestellen mit Leitungsfunktion hat ferner kontinuierlich zugenommen. Und schliesslich fallen Berufseinsteiger bei aktuell rund 8% der angebotenen Fachkräftestellen auch aufgrund ihres Alters aus dem Adressatenkreis heraus. Einzig bezüglich des verlangten Minimalalters ist im betrachteten Zeitraum keine langfristige Zunahme zu verzeichnen. Langfristig stark gestiegen ist ebenfalls der Anteil Stellen, welcher gleich mehrere der genannten Anforderungen stellt; weitaus am häufigsten verlangen die Unternehmen dabei sowohl Erfahrung als auch Weiterbildung. Der in Grafik 1 erkennbare stufenförmige Rückgang der Einsteigerstellen spiegelt sich hier in einem deutlichen Anstieg der Anforderungen während des Konjunktureinbruchs zwischen 2003 und 2006 wieder. Auch in der längerfristigen Betrachtung sind es die in konjunkturell schwachen Zeiten steigenden und dann im Aufschwung nicht mehr reduzierten Anforderungen an Erfahrung und Weiterbildung, welche in erster Linie für den schrittweisen Rückgang der Stellenangebote für Berufseinsteiger (Einsteigerstellen) verantwortlich sind.

Langfristig steigende Arbeitslosigkeit von Lehrabgängern

Es ist nun durchaus plausibel, dass sich das schrumpfende Stellenangebot für Berufseinsteiger auch auf die Arbeitslosigkeit von Ausbildungsabgängern auswirkt. Aber lässt sich eine solche Zunahme überhaupt feststellen? Grafik 3 zeigt die längerfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit unter Lehrabgängern.
Für diese lange Reihe stehen Daten der Arbeitslosenstatistik des Seco (AVAM) für Lehrabgänger zu Verfügung, jedoch nicht für Absolventen anderer beruflicher Grundbildungen. Der dargestellte Befund bestätigt sich für den Zeitraum 2001–2010 aber auch bezüglich des Arbeitslosigkeitsrisikos von 15–24 jährigen Absolventen einer beruflichen Grundbildung (siehe Berufseinsteiger-Barometer 2010). Dabei fallen zunächst die bedeutenden saisonalen und konjunkturellen Schwankungen ins Auge, die sehr viel ausgeprägter sind als bei der Gesamterwerbsbevölkerung. Die lange Messreihe spricht dafür, dass sich die Situation von Lehrabgängern über die betrachteten Konjunkturzyklen hinweg von Hochkonjunktur zu Hochkonjunktur spürbar verschlechtert hat: Zwischen den Hochkonjunkturen von 2001 und 2008 stieg ihre Arbeitslosenquote im Jahresmittel von 2% auf 4,9%. Und auch im Vergleich der Hochkonjunkturen von 1991 und 2001 scheint sie sich ausgehend von einem sehr tiefen Anfangsniveau von etwa 0,3% markant erhöht zu haben. Die Datenlage ist mit Blick auf die 90er Jahre allerdings mit gewissen Unsicherheiten behaftet.
Im AVAM fehlte vor 1993 ein einheitliches System der Datenerfassung. Zur Hochkonjunktur 1990/91 rechnen wir den Zeitraum bis und mit Juni 1991. Bemerkenswert ist auch, dass die Arbeitslosenquote unter Lehrabgängern sich langfristig deutlich stärker erhöht hat als für die gesamte Erwerbsbevölkerung: In der Hochkonjunktur von 2001 lag die Arbeitslosenquote der Lehrabgänger im Jahresdurchschnitt noch etwa 1,2-mal höher, in der Hochkonjunktur von 2008 aber gut doppelt so hoch wie in der Erwerbsbevölkerung. Mit Blick auf die Hochkonjunktur von 1990/91 lassen die verfügbaren Daten vermuten, dass Lehrabgänger damals sogar noch unterdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Die Arbeitslosigkeit unter Lehrabgängern hätte demnach bereits zwischen 1991 und 2001 überdurchschnittlich zugenommen. Alles in allem belegen die Daten hauptsächlich für den Zeitraum seit 2001 einen deutlich überproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit unter den Lehrabgängern in den konjunkturell günstigen Phasen. Beim Vergleich der beiden Rezessionsphasen hat sich das Niveau der Lehrabgänger-Arbeitslosigkeit (LAL) dagegen nur wenig verändert; gegenüber den Spitzenwerten von Mitte der 1990er-Jahre ist LAL sogar leicht zurückgegangen. Wir vermuten, dass dies teils auf den schrittweise ausgebauten Arbeitsmarktmassnahmen zugunsten von Berufseinsteigern und teils auch auf einem veränderten Meldeverhalten beruht.Die Befunde bestätigen insgesamt die stark ausgeprägte Konjunktursensitivität der Arbeitslosigkeit von Lehrabgängern. Allerdings ist nach unseren Ergebnissen eine ausschliesslich konjunkturelle Erklärung der langfristigen Entwicklung wohl nicht ausreichend. Verschiedene Indizien lassen uns vielmehr vermuten, dass der überproportionale langfristige Anstieg der Arbeitslosigkeit unter den Lehrabgängern teilweise strukturelle Gründe hat.
Siehe Sacchi & Salvisberg, 2011. Dies gilt namentlich für den Zeitraum seit der Jahrtausendwende, in dem die Arbeitslosigkeit unter Berufseinsteigern nachweislich weit stärker zugenommen hat als unter älteren Fachkräften.

Mögliche Gründe für die steigenden Einstiegsschwierigkeiten

Im Rahmen des Berufseinsteiger-Barometers 2010 (vgl. Kasten 2

Berufseinsteiger-Barometer

Das im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) 2010 erstmals erstellte Berufseinsteiger-Barometer untersucht die Erwerbssituation von Berufseinsteigern, die nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung in den Arbeitsmarkt übertreten. Aufgezeigt werden einerseits Entwicklungen im Bestand und in der Zusammensetzung der Absolventen der beruflichen Grundbildung. Andererseits werden die Arbeitslosigkeit von Berufseinsteigern und deren konjunkturbedingten, saisonalen und langfristigen Veränderungen untersucht. Ausserdem widmet sich die Studie der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes und zeigt anhand einer Untersuchung von Stellenausschreibungen aus Presse und Internet auf, wie sich das Stellenangebot für Berufseinsteiger in den letzten zehn Jahren verändert hat. Das Berufseinsteiger-Barometer kann als Kurzfassung oder als umfassender Report (Sacchi & Salvisberg, 2010/2011) auf der Internetseite des Stellenmarkt-Monitors (http://www.stellenmarktmonitor.uzh.ch) heruntergeladen werden.

) haben wir verschiedene strukturelle Erklärungen für den langfristigen Anstieg der Arbeitslosigkeit beim Berufseinstieg näher untersucht. Dabei zeigt sich erstens, dass die Veränderungen in Stärke und Zusammensetzung der Absolventenjahrgänge der beruflichen Grundbildung zu gering sind, um den beobachteten Anstieg auf plausible Weise zu erklären. Zweitens finden wir auch keinerlei Anhaltspunkte für eine schrumpfende Verbleibsquote von Lehrabgängern, die nach dem Abschluss weiterhin im Lehrbetrieb angestellt bleiben. Dies lässt vermuten, dass die Anzahl der jährlich neu auf den Arbeitsmarkt drängenden Berufseinsteiger langfristig ungefähr konstant geblieben ist. Drittens sprechen die verfügbaren Anhaltspunkte für den Zeitraum seit 2004 auch dagegen, dass die steigende Arbeitslosigkeit in einem beruflichen Mismatch begründet ist – einer sich vertiefenden Kluft zwischen den erworbenen und den im Arbeitsmarkt nachgefragten Berufsausbildungen. Viertens beruht die steigende Arbeitslosigkeit in der Alterskategorie der Berufseinsteiger nach unseren Ergebnissen auch nicht auf einer verstärkten Betroffenheit durch Entlassungen in der ersten Zeit nach dem Berufseinstieg (Last-in-First-Out-Hypothese). Dies stützt indirekt die Annahme, dass vor allem das Risiko einer Arbeitslosigkeit unmittelbar beim Berufseinstieg gestiegen ist. Vor dem Hintergrund der skizzierten Ergebnisse bieten die wachsenden Anforderungen bezüglich Erfahrung und Weiterbildung die alles in allem plausibelste Erklärung für die langfristige Zunahme der Arbeitslosigkeit beim Berufseinstieg. Schrumpft das Angebot an geeigneten Stellen, werden die Hürden bei der ersten Stellensuche nach dem Ausbildungsabschluss dementsprechend wachsen. Allerdings wird sich ein Rückgang des Stellenangebotes kaum eins zu eins in einem entsprechend grösseren Arbeitslosigkeitsrisiko spiegeln. Vielmehr werden manche Berufseinsteiger zum Beispiel eine Weiterbildung aufnehmen oder auf unqualifizierte Stellen ausweichen, anstatt den Gang zum Arbeitsamt anzutreten.In der gegenwärtigen Konjunkturbaisse ist im Unterschied zu früheren Abschwungphasen bisher auch kein weiterer Rückgang des Stellenangebots für Berufseinsteiger festzustellen, was aufgrund des langjährigen Verlaufsmusters eher überraschend kommt. Aussagen über zukünftige Entwicklungen sind dementsprechend kaum möglich. Aufgrund der schon seit Jahrzehnten beständig ansteigenden Anforderungen im Stellenmarkt scheint es aber doch eher unwahrscheinlich, dass die Hürden für Berufseinsteiger in Zukunft wieder kleiner werden.
Siehe Sacchi, Salvisberg & Buchmann, 2005. In der hochtechnologisierten und globalisierten «Wissensökonomie» des 21. Jahrhunderts ist eine gute Grundausbildung zunehmend unentbehrlich. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass Jugendliche ohne nachobligatorische Ausbildung ein im Vergleich zu Berufseinsteigern massiv höheres Arbeitslosigkeitsrisiko tragen. Gleichzeitig garantiert die berufliche Grundbildung allein je länger desto weniger einen problemlosen Einstieg in den heutigen Arbeitsmarkt.

Grafik 1: «Stellenangebote für Berufseinsteiger 1970–2010»

Grafik 2: «Berufseinsteiger ausschliessende Anforderungen»

Grafik 3: «Arbeitslosigkeit unter Lehrabgängern (Monatsreihen 1990–2009)»

Kasten 1: Stellenmarkt-Monitor Schweiz

Stellenmarkt-Monitor Schweiz

Der Stellenmarkt-Monitor Schweiz des Soziologischen Instituts der Universität Zürich verfolgt das Ziel, die wissenschaftlichen Kenntnisse über den Stellenmarkt systematisch zu erweitern und zu einer verbesserten Arbeitsmarkttransparenz beizutragen. Er informiert eine breite Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen auf dem Stellenmarkt. Datenbasis für die hier gezeigten Analysen sind jährliche Zufallsstichproben von Stellenangeboten aus Presse, Internet-Stellenportalen sowie Unternehmenswebseiten. Die Stellenangebote werden alljährlich während einer Stichwoche im März im Volltext erfasst und für statistische Analysen aufbereitet. Die Erhebungsreihe erfasst im heutigen, seit 2006 bestehenden Ausbaustand sämtliche quantitativ ins Gewicht fallenden Ausschreibungskanäle im Internet (Unternehmenswebseiten, Stellenportale) und dem Printbereich (Zeitungen und Anzeiger) aus der ganzen Schweiz. Ursprünglich ist die Datenbasis aus einer bis 1950 zurückreichenden Retrospektiv-Erhebung von Stellenanzeigen der Presse des deutschsprachigen Landesteils hervorgegangen, die dann in eine kontinuierliche Stellenmarkt-Beobachtung überführt und stark ausgebaut worden ist. Detailliertere Informationen finden sich unter http://www.stellenmarktmonitor.uzh.ch

Kasten 2: Berufseinsteiger-Barometer

Berufseinsteiger-Barometer

Das im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) 2010 erstmals erstellte Berufseinsteiger-Barometer untersucht die Erwerbssituation von Berufseinsteigern, die nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung in den Arbeitsmarkt übertreten. Aufgezeigt werden einerseits Entwicklungen im Bestand und in der Zusammensetzung der Absolventen der beruflichen Grundbildung. Andererseits werden die Arbeitslosigkeit von Berufseinsteigern und deren konjunkturbedingten, saisonalen und langfristigen Veränderungen untersucht. Ausserdem widmet sich die Studie der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes und zeigt anhand einer Untersuchung von Stellenausschreibungen aus Presse und Internet auf, wie sich das Stellenangebot für Berufseinsteiger in den letzten zehn Jahren verändert hat. Das Berufseinsteiger-Barometer kann als Kurzfassung oder als umfassender Report (Sacchi & Salvisberg, 2010/2011) auf der Internetseite des Stellenmarkt-Monitors (http://www.stellenmarktmonitor.uzh.ch) heruntergeladen werden.

Kasten 3: Literatur

Literatur

− CS Ecomic Research (2006). Jugendarbeitslosigkeit als Ergebnis einer veränderten Nachfrage nach Arbeit?, in Swiss Issues: Wirtschaftspolitik, Credit Suisse, Zürich.− Duttweiler Daniel & Bernhard Weber (2010). Arbeitsmarktsituation der Jugendlichen in der jüngsten Rezession, in Die Volkswirtschaft, 11-2010, S. 47-51.− Sacchi Stefan, Alexander Salvisberg & Marlis Buchmann (2005). Long-Term Dynamics of Skill Demand in Switzerland from 1950-2000, pp. 105-134, in Kriesi, Hanspeter, Peter Farago, Martin Kohli & Milad Zarin-Nejadan (Hg.), Contemporary Switzerland: Revisiting the Special Case. Houndmills: Palgrave Macmillan.− Sacchi, Stefan & Alexander Salvisberg (2010/2011). Berufseinsteiger-Barometer 2010. Report im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). SMM, Universität Zürich. − Weber, Bernhard (2007). Die Situation von Jugendlichen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. In, Die Volkswirtschaft 80 (3): S. 52–54.

Soziologisches Institut der Universität Zürich

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