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Die Daten der Steuerstatistik sind eine wichtige Quelle für die Ermittlung der Einkommens- und Vermögensverteilung. Die besondere Stärke der Steuerdaten liegt darin, dass sie dank der Vollerhebung eine differenzierte Auswertung auf regionaler Ebene ermöglichen. Die Steuerstatistik eignet sich ausserdem gut für eine detaillierte Analyse der hohen Einkommen. Die Ergebnisse ermöglichen Vergleiche zwischen Regionen und über die Zeit. Sie zeichnen ein differenziertes Bild über die Vielfalt der kleinräumigen Schweiz.

In diesem Beitrag werden der Stand der Einkommens- und Vermögensverteilung auf Basis der Steuerstatistik 2003 sowie deren Veränderung seit 1995/96 (bzw. 1997 für die Vermögensstatistik) dargestellt. Die Daten werden in ihrer Struktur und im Hinblick auf ihre jüngere Entwicklung regional aufgeschlüsselt. Besonderes Augenmerk gilt dabei auch den hohen Einkommen und Vermögen, für welche die Steuerstatistik – im Gegensatz zu Stichprobenerhebungen – verlässliche Aussagen ermöglicht.

Höhe und Verteilung der Einkommen im Jahr 2003

Höhe und Verteilung der Einkommen auf Ebene der Kantone sind in Grafik 1 dargestellt. Das Durchschnittseinkommen je erwachsene Person in der Schweiz liegt im Jahr 2003 bei 42630 Franken (vgl. Tabelle 1). Das mit Abstand höchste Einkommen erreicht der Kanton ZG mit 59412 Franken, gefolgt von NW, GE, SZ und ZH. Das niedrigste Einkommen von 31839 Franken wird für den Kanton VS gemessen. Einkommensschwach sind auch die Kantone GR, JU und UR. Alle übrigen Kantone weisen ein ähnliches Durchschnittseinkommen aus. Bei diesem Vergleich ist zu beachten, dass aufgrund des verwendeten Einkommenskonzepts die Werte für Kantone mit einem hohen Anteil ausländischer Zweitwohnungsbesitzer nach unten gedrückt werden. Dies gilt insbesondere für die Kantone VS und GR, die insofern als Spezialfälle zu betrachten sind.  Die Verteilung der Einkommen wird mit dem Gini-Koeffizienten gemessen (rechte Skala in Grafik 1). Je höher der Gini-Koeffizient, desto ungleicher ist die Verteilung und umgekehrt. Die grössten Einkommensungleichheiten weisen die einkommensstarken Kantone SZ (0,48), GE (0,48) und ZG (0,46) sowie die einkommensschwachen Kantone VS (0,45) und GR (0,44) aus. Im ebenfalls einkommensschwachen Kanton UR sind die Einkommen hingegen am gleichmässigsten verteilt (Gini-Koeffizient von 0,30). Der Gini-Koeffizient für die Schweiz liegt bei 0,40. Diese Werte sind nicht vergleichbar mit den deutlich tieferen Gini-Koeffizienten, die im Zusammenhang mit Haushaltsstudien ermittelt werden. Unter Ausklammerung der beiden Sonderfälle VS und GR lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und -verteilung erkennen: Mit steigendem Einkommen nimmt der Grad der Ungleichheit tendenziell zu. Dieser Befund wird durch die Daten auf Ebene der Gemeinden klar bestätigt.  Die Grafiken 2 und 3 zeichnen ein differenziertes Bild auf der Ebene der einzelnen Gemeinden. Bezüglich Einkommenshöhe (vgl. Grafik 2) können grob drei Achsen unterschieden werden: Jurabogen (NE, JU) mit tiefen Einkommen, Genferseeregion, Mittelland und Nordwestschweiz mit hohen Einkommen, Voralpenregion, Alpengebiet und Südschweiz – mit Ausnahme touristischer Hochburgen und dem Südtessin – wieder mit tiefen Einkommen. Mit 150025 Franken erreicht die Gemeinde Mies (VD) das höchste Durchschnittseinkommen. Dieser Wert beträgt das 16fache der einkommensschwächsten Gemeinde Chandolin im Wallis (9277 Franken). Der Wert für Chandolin dürfte allerdings durch den hohen Anteil ausländischer Zweitwohnungsbesitzer nach unten gezogen werden.  Grafik 3 zeigt die Verteilung der Einkommen in den einzelnen Gemeinden. In den Städten und in Stadtnähe sowie in den Tourismusregionen sind die Einkommen ungleicher verteilt als in ländlichen Gemeinden. Für Tourismusgemeinden ist zu beachten, dass die Berücksichtigung der Einkommen von Ausländern aus Immobilienbesitz die Ungleichheit tendenziell erhöht. Die im Vergleich zur Kantonsebene wesentlich höheren Gini-Koeffizienten hängen von der Grösse der betrachteten Gebietskörperschaften ab. In kleinen Gemeinden können einige wenige hohe Einkommen den Wert des Gini-Koeffizienten in die Höhe treiben. Zudem ist bei der Interpretation der Verteilung der Einkommen deren Höhe zu beachten, da Ungleichheit bei tiefem und hohem Einkommensniveau unterschiedlich beurteilt werden kann.

Entwicklung von Einkommensniveau und -verteilung

Besonders aufschlussreich sind die Ergebnisse zur regionalen Entwicklung von Einkommensniveau und -verteilung (vgl. Grafiken 4 und 5). Grundlage bildet der Vergleich der Steuerdaten 2003 mit jenen der Jahre 1995/96. Spitzenreiter beim Einkommenszuwachs in dieser Zeitperiode sind die Kantone SZ und GE. Bemerkenswert ist, dass neben ZG, NW und ZH auch die Romandie (NE, VS, VD) sowie das Tessin überdurchschnittlich zugelegt haben. Am geringsten sind die Einkommen in den Kantonen BS und GR gestiegen. In den übrigen Kantonen sind die Einkommen unterdurchschnittlich gewachsen, wobei sich die Unterschiede in engen Grenzen bewegen. Grafik 5 zeigt die Einkommensentwicklung auf Gemeindeebene. Bei der Darstellung wird der Anstieg der Lebenshaltungskosten um jährlich 0,74% einbezogen. In Gemeinden mit jährlichen Veränderungsraten unter 0,74% hat das reale Durchschnittseinkommen abgenommen. In Gemeinden mit negativen Wachstumsraten ist auch das nominelle Durchschnittseinkommen geschrumpft. Von dieser Entwicklung sind vor allem abgelegene Gemeinden im Alpenraum betroffen. Ein überdurchschnittliches Einkommenswachstum erzielen alle Gemeinden mit Veränderungsraten über 1,85%. Bei kleinen Gemeinden kann bereits der Zubzw. Wegzug einzelner Personen zu merklichen Veränderungen der Durchschnittseinkommen führen.  Die Entwicklung der Einkommensverteilung über dieselbe Zeitperiode wird mit der Veränderung des Gini-Koeffizienten erfasst (rechte Skala in Grafik 4). Schweizweit hat sich die Ungleichverteilung kaum verändert. Verschiebungen gibt es jedoch auf Ebene der Kantone und Gemeinden. In 7 Kantonen (vor allem TI, NE und UR sowie in geringerem Mass GE, TG, ZH und VD) ist die Verteilung gleichmässiger; in 5 Kantonen (insbesondere SZ sowie BS, ZG, NW und AI) ist sie ungleichmässiger geworden. In den übrigen 14 Kantonen hat sich die Ungleichheit kaum verändert. Obschon der Kanton SZ sowohl beim Einkommenszuwachs als auch bei der Zunahme der Ungleichverteilung den Spitzenplatz einnimmt, lässt sich zwischen den Veränderungsraten von Einkommenshöhe und -verteilung kein systematischer Zusammenhang feststellen. Ein höheres Einkommenswachstum muss also nicht mit einer ungleicheren Einkommensverteilung einhergehen. Die Veränderungen bei den Gini-Koeffizient auf Gemeindeebene sind erwartungsgemäss bei kleinen Gemeinden ausgeprägt und bewegen sich zwischen einer Abnahme um 0,25 Punkte und einer Zunahme um 0,28 Punkte.

Höhe und Verteilung der Vermögen im Jahr 2003

Höhe und Verteilung der Vermögen für 2003 sind in Grafik 6 dargestellt (vgl. auch Tabelle 1). Bei den Durchschnittsvermögen bestehen zwischen den Kantonen deutliche Unterschiede. Das höchste Durchschnittsvermögen wird für den Kanton NW gemessen, gefolgt von ZG, SZ und ZH. Die tiefsten Vermögen haben die Kantone VS, JU, SO und FR, wobei beim Tourismuskanton VS aufgrund des unterstellten Vermögenskonzepts Vorsicht bei der Interpretation angebracht ist. Die Vermögen sind erwartungsgemäss deutlich ungleicher verteilt als die Einkommen. Am ungleichsten sind die Vermögen in den Kantonen VD (Gini-Koeffizient von 0,91) und BS (0,90), am gleichmässigsten im Kanton UR (0,69) verteilt.  Bei den Vermögen lässt sich kein systematischer Zusammenhang zwischen Niveau und Verteilung feststellen. Hingegen sind Durchschnittseinkommen und Durchschnittsvermögen positiv miteinander korreliert. Dabei fallen einerseits der Kanton NW mit seinen überdurchschnittlichen Vermögen, anderseits die lateinischen Kantone GE, VD, FR sowie die Deutschschweizer Kantone BL und SO mit ihren – gemessen am Einkommen – unterdurchschnittlichen Vermögen auf. Die Ergebnisse zur Entwicklung der Vermögen und deren Verteilung in der Zeit zwischen 1997 und 2003 sind mangels direkter Vergleichbarkeit der Daten für 1997 mit Vorsicht zu interpretieren. Insgesamt sind die Vermögen mit 2,31% pro Jahr etwas stärker gewachsen als die Einkommen (1,85%); die Ungleichverteilung hat sich hingegen nicht verändert.

Regionale Verteilung der hohen Einkommen und Vermögen

Die Steuerdaten eignen sich auch sehr gut zur Ermittlung der regionalen Verteilung hoher Einkommen und Vermögen. In der vorliegenden Untersuchung gelten alle Einkommen über 120000 Fr. je erwachsene Person als hohe Einkommen. Der prozentuale Anteil der hohen Einkommen an der gesamten Anzahl Einkommen dient als Massstab für den Vergleich zwischen den Gebietskörperschaften. Schweizweit beträgt der Anteil der so definierten hohen Einkommen 2,4%. Eine überdurchschnittliche Häufigkeit von hohen Einkommen verzeichnen die Kantone ZG (5,9%), GE (4,7%), SZ (4,1%), ZH (3,7%), NW (3,7%), BS (3,2%), VD (3,0%), BL (2,7%) und TI (2,5 %). Einen besonders niedrigen Anteil hoher Einkommen weisen die Kantone UR (0,7%), JU (0,8%) und VS (1,1%) aus. Markante Unterschiede in der regionalen Verteilung der hohen Einkommen bestehen nicht nur zwischen den Kantonen, sondern auch innerhalb der einzelnen Kantone. Insgesamt ergibt sich dabei ein ähnliches räumliches Muster, wie dies bereits bei der Verteilung der Durchschnittseinkommen aufgezeigt wurde (vgl. Grafik 2).  Bei der Analyse der geografischen Verteilung der hohen Vermögen wird der Anteil der Vermögen von über 1 Mio. Franken an der Gesamtzahl von Vermögen als Massstab gewählt. Über die ganze Schweiz betrachtet beträgt der Anteil der Vermögensmillionäre im Jahr 2003 3,7%. Eine starke Konzentration hoher Vermögen findet sich in den Kantonen ZG (7,6%), NW (6,3%) und ZH (6,2%). Einen relativ geringen Anteil an Vermögensmillionären haben die Kantone JU (1,0%), VS (1,2%), FR (1,5%), SO (1,6%), UR (1,8%), TI (2,0%), OW (2,1%) und NE (2,3%).  In Tabelle 1 ist die Entwicklung der hohen Einkommen und Vermögen auf Kantonsebene aufgelistet. Grafik 7 zeigt auf Ebene der Bezirke, wie sich der Anteil der hohen Einkommen zwischen 1995/96 und 2003 entwickelt hat. Die meisten Bezirke der Romandie, der Nordostschweiz und des Tessins verzeichnen einen Anstieg des Anteils hoher Einkommen um wenigstens 0,2 Prozentpunkte. In den meisten Bezirken, die auf einer West-Ost-Diagonale von Jura bis Graubünden liegen, sowie in einzelnen Bezirken der Kantone TG, SH und VD hat der Anteil der hohen Einkommen demgegenüber um weniger als 0,2 Prozentpunkte zugenommen oder gar abgenommen. Im Landesdurchschnitt ist dieser Anteil um 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Mit Abstand am stärksten zugelegt hat der Anteil der hohen Einkommen in den Kantonen ZG und SZ (Zunahme um je 1,7 Prozentpunkte) sowie GE (Zunahme um 1,5 Prozentpunkte). Eine leichte Abnahme des Anteils hoher Einkommen verzeichnen die beiden Kantone UR und OW. Innerhalb der einzelnen Kantone bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede.  Insgesamt sind die hohen Einkommen mit jährlich 1,33% weniger stark gewachsen als alle Einkommen (Zunahme um 1,85%). Nur die Kantone SZ, VS, BE und weniger ausgeprägt NW, AI, JU und BS verzeichnen einen prozentual stärkeren Anstieg der hohen Einkommen. Die hohen Vermögen sind mit jährlich 0,6% noch deutlich weniger gewachsen als alle Vermögen (Zunahme um 2,3%).

Grafik 1 «Höhe und Verteilung der Einkommen auf Kantonsebene, 2003»

Grafik 2 «Durchschnittseinkommen der Gemeinden, 2003 Durchschnittliches Einkommen, in Fr.»

Grafik 3 «Einkommensungleichheiten nach Gemeinden, 2003 Gini-Koeffizient»

Grafik 4 «Entwicklung von Einkommensniveau und -verteilung auf Kantonsebene, 1995/96-2003»

Grafik 5 «Entwicklung des Einkommensniveaus auf Gemeindeebene, 1995/96-2003»

Grafik 6 «Höhe und Verteilung der Vermögen auf Kantonsebene, 2003»

Grafik 7 «Entwicklung des Anteils hoher Einkommen auf Bezirksebene, 1995/96-2003 Veränderung in Prozentpunkten»

Tabelle 1 «Einkommen und Vermögen auf Kantonsebene: Stand 2003 und Veränderung seit 1995/96 resp. 1997»

Kasten 1: Begriffe: Einkommen und Durchschnittseinkommen Untersucht wird das jährliche Reineinkommen der natürlichen Personen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um das Reineinkommen im Sinne des Gesetzes, sondern um einen statistisch ermittelten Wert, indem zum steuerbaren Einkommen einige Steuerabzüge (Abzüge für Kinder oder unterstützte Personen, Abzüge für Versicherungsprämien und Sparzinsen, Abzüge für Erwerbseinkommen des zweitverdienenden Ehegatten) hinzugerechnet werden. Berücksichtigt werden alle bundessteuerpflichtigen natürlichen Personen mit Ausnahme der an der Quelle Besteuerten, seien dies Erwerbstätige, Rentner, Studenten oder auch nur Eigentümer einer Zweitwohnung. Ebenfalls einbezogen werden die Einkommen aus Zweitwohnungen von Steuerpflichtigen mit Wohnsitz im Ausland. Zur Ermittlung eines Reineinkommens je erwachsene Person werden die Einkommen der Verheirateten hälftig auf die Ehegatten aufgeteilt. Das Durchschnittseinkommen einer Gemeinde oder Gebietskörperschaft entspricht der Summe aller Einkommen dieser Gemeinde oder Gebietskörperschaft, dividiert durch die Anzahl erwachsener Personen.

Kasten 2: Vermögen: Definition Untersucht wird das Reinvermögen der natürlichen Personen, d.h. die Summe aller Aktiven abzüglich der Summe aller Passiven, vor Berücksichtigung der Sozialabzüge. Für das Vermögen 2003 ist der Vermögensstand der Pflichtigen per 31. Dezember 2003 massgebend. Die Steuerpflichtigen ohne Reinvermögen werden ebenfalls in die Erhebung einbezogen. Berücksichtigt werden alle in den Kantonen besteuerten Reinvermögen. Steuerpflichtige mit Reinvermögen in zwei oder mehreren Kantonen werden in allen betroffenen Kantonen erfasst, jedoch nur mit den jeweils besteuerten Vermögensteilen. Im Ausland besteuerte Vermögensteile fallen ausser Betracht. Weitere Vermögensteile werden ebenfalls gar nicht oder nur teilweise berücksichtigt, wie beispielsweise die anwartschaftlichen Ansprüche gegenüber Einrichtungen der beruflichen Vorsorge (Säule 2), die nicht fälligen Ansprüche aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a), der Hausrat oder die rückkaufsfähigen Lebensversicherungen. Zudem können zwischen dem Steuerwert von Grundstücken und Immobilien und deren Verkehrswert erhebliche Unterschiede bestehen. Die zu erfassenden Vermögensdaten wurden gemäss Vorgaben der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung NFA neu definiert. Vergleiche der Vermögensstatistik 2003 mit früheren Vermögensstatistiken sind deshalb mit Vorsicht zu interpretieren.

Abteilung Volkswirtschaft und Steuerstatistik, Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Bern

Chefökonom Eidg. Steuerverwaltung (ESTV), Professor für Wirtschafts- und Sozialpolitik, Universität Freiburg

Abteilung Volkswirtschaft und Steuerstatistik, Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Bern

Chefökonom Eidg. Steuerverwaltung (ESTV), Professor für Wirtschafts- und Sozialpolitik, Universität Freiburg